Die richtige Tour für dich

Wichtig für den Einsteiger ist die richtige Auswahl der Route. Wenn du ein wenig recherchierst, dann wirst du merken, dass es sehr viele unterschiedliche Routen gibt, auf denen du die Alpen mit dem Mountainbike überqueren kannst.

Die Tourplaner legen den Fokus oft auf unterschiedliche Dinge. Das hat aber immer zwei Seiten.

Die einen versuchen die Route so zu legen, dass du möglichst wenig auf Straßen fahren musst. Das klingt zunächst mal schön. Sei dir aber bewusst, dass das anstrengender ist, als hin und wieder mal eine Straße zu nutzen.

Andere wollen eine möglichst direkte Linie zwischen Start und Ziel finden. Das kann aber auch schon mal dazu führen, dass mal eine nicht so tolle Etappe dabei ist.

Manche Planer versuchen, möglichst viele spektakuläre Abfahrten einzubauen. Das bedeutet aber auch einen hohen Anspruch an die Fahrtechnik.

Wirbt der Tourenautor mit einer besonderen Einsteigerfreundlichkeit der Transalp, dann heißt das auch, dass der Straßenanteil relativ hoch sein wird und du vielleicht nicht in die landschaftlich besonders schönsten Gebiete vorstoßen wirst.

Überlege dir vorher, was für dich besonders wichtig beim Alpencross ist und lies die Beschreibung der Strecke genau.

Es kommt darauf an, dass du für dich die Route auswählst, die deinem Können und deinen Vorlieben entspricht.

Es gibt aber ein paar objektive Eckpunkte, durch die die Schwierigkeit eines Alpencrosses charakterisiert werden kann.

Höhenmeter

Je mehr Höhenmeter du bergauf fahren willst, desto besser muss deine Kondition sein. Ein Alpencross kann unterschiedlich lange dauern. Deswegen schaue bei der Routenwahl darauf, wie viele Höhenmeter die Tagesetappen haben. Ich würde alles was weniger als 1700 hm hat leichte leichte Etappe einstufen. Von Etappen von 1700 hm bis 2400 hm sind für mich mittelschwere und alles darüber schwere Etappen. Das ist natürlich eine sehr individuelle Einschätzung.

Werte deine Trainingsfahrten immer hinsichtlich der Höhenmeter aus. Etwas bessere Fahrrad-Tachos haben dafür eine Anzeige. Alternativ kannst du deine Trainingsfahrten mit dem GPS-Gerät aufzeichnen und dann am heimischen PC auswerten. Ich benutze dafür QLandkarte GT, was für Windows, MacOS und Linux verfügbar ist.

Auswertung mit QLandkarte GT

Die Fahrstrecke ist im Gegensatz zu einer Radtour im Flachland ein eher untergeordneter Parameter. Sei aber vorsichtig, wenn die bei vielen Höhenmetern die Fahrstrecke relativ kurz ist. Das bedeutet, dass die Anstiege und Abfahrten steil sein werden.

Schwierigkeit der Abfahrten

Das zweite wichtige Kriterium für die Bewertung eines Alpencrosses ist die fahrtechnische Schwierigkeiten der Abfahrten.

Doch wie misst man diese? So einfach ist wie bei den Höhenmetern ist das nicht. Es gibt kein Messgerät dafür.

Eine einfache Einordnung in “leicht”, “mittel” und “schwer” ist auch nicht optimal. Was für den einen Mountainbiker eine mittelschwere Abfahrt ist, das überfordert einen anderen vielleicht schon hoffnungslos.

Es wäre eine Einordnung in verschiedenen Klassen anhand objektiver Kriterien erforderlich. Für andere Sportarten gibt es das. Alpine Skipisten sind relativ grob in “blau”, “rot” und “schwarz” klassifiziert. Für die Kletterer gibt es eine fein abgestufte Skala der Schwierigkeiten von 1 bis 12.

Auch für den Mountainbike-Sport gibt es eine entsprechende Skala, die Singletrail-Skala. Die Schwierigkeit der Abfahrten ist hier mit einer 6-stufigen Skala von S0 bis S5 klassifiziert. Dabei bedeuten die Stufen folgendes (Quelle: http://www.singletrail-skala.de/):

S0
S0 beschreibt einen Singletrail, der keine besonderen Schwierigkeiten aufweist. Dies sind meistens flüssige Wald- und Wiesenwege auf griffigen Naturböden oder verfestigtem Schotter. Stufen, Felsen oder Wurzelpassagen sind nicht zu erwarten. Das Gefälle des Weges ist leicht bis mäßig, die Kurven sind weitläufig.
S1
Auf einem mit S1 beschriebenen Weg muss man bereits kleinere Hindernisse wie flache Wurzeln und kleine Steine erwarten. Sehr häufig sind vereinzelte Wasserrinnen und Erosionsschäden Grund für den erhöhten Schwierigkeitsgrad, der Untergrund kann teilweise auch nicht verfestigt sein. Das Gefälle beträgt maximal 40%. Spitzkehren sind nicht zu erwarten.
S2
Im S-Grad S2 muss man mit größeren Wurzeln und Steinen rechnen. Der Boden ist häufig nicht verfestigt. Stufen und flache Treppen sind zu erwarten. Oftmals kommen enge Kurven vor, die Steilheit beträgt passagenweise bis zu 70%.
S3
Verblockte Singletrails mit vielen größeren Felsbrocken und / oder Wurzelpassagen gehören zum S-Grad S3. Hohe Stufen, Spitzkehren und kniffelige Schrägfahrten kommen oft vor, entspannte Rollabschnitte werden selten. Häufig ist auch mit rutschigem Untergrund und losem Geröll zu rechnen, Steilheiten über 70% sind keine Seltenheit.
S4
S4 beschreibt sehr steile und stark verblockte Singletrails mit großen Felsbrocken und/ oder anspruchsvollen Wurzelpassagen, dazwischen häufig loses Geröll. Extreme Steilrampen, enge Spitzkehren und Stufen, bei denen das Kettenblatt unweigerlich aufsetzt, kommen im 4. Grad häufig vor.
S5
Der S-Grad S5 wird charakterisiert durch blockartiges Gelände mit Gegenanstiegen, Geröllfeldern und Erdrutschen, ösenartigen Spitzkehren, mehreren hohen, direkt aufeinander folgenden Absätzen und Hindernissen wie umgefallenen Bäumen – alles oft in extremer Steilheit. Wenn überhaupt, ist wenig Auslauf bzw. Bremsweg vorhanden. Hindernisse müssen z. T. in Kombination bewältigt werden.

Auf ihrer Webseite geben die Autoren noch eine weit ausführlichere Beschreibung einschließlich Bilder und Beispielstrecken. Das hilft, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Für ein durchschnittlicher Mountainbiker wird wohl den Bereich von S0 bis S2 sicher fahren können. Wenn eine Abfahrt einige wenige schwierigere Stellen enthält, dann kannst du da auch absteigen und schieben.

Viele Autoren von Alpencross-Routen geben in ihrer Beschreibung schon eine Klassifizierung entsprechend der Singletrail-Skala an.

Wenn nicht, dann hilft dir die Passdatenbank von Carsten Schymik weiter. Er ist einer der “Erfinder” der Singletrail-Skala und hat sehr viele Pässe in den Alpen entsprechend eingeordnet.